„Manche Schlachten werden um Land geschlagen. Manche um Ruhm. Und manche, weil zwei Feinde einander begegnen und keiner bereit ist, dem anderen den Weg freizugeben.“
Aus den Annalen des Chracian Warhost, niedergeschrieben von Maelthir Sonnenschrift, Chronist des Weißen Turms
Der Morgen war kalt und der Nebel kroch zwischen den uralten Bäumen hindurch und legte sich wie ein graues Leichentuch über das Schlachtfeld. Zwischen knorrigen Wurzeln und moosbedeckten Felsen standen die Krieger des Chracianischen Kriegsheers bereit. Die Weißen Löwen hielten am Waldrand Stellung, während die Schwestern von Avelorn ihre Bögen spannten und die Chracianischen Jäger verborgen zwischen den Bäumen auf ihre Gelegenheit warteten.
Doch auch im Nebel lauerten Feinde. Aus dem Unterholz schälten sich ein Rudel Hautwölfe der Wölfe der Meere. Lautlos bewegten sie sich zwischen den Bäumen, ihre Körper kaum mehr als Schatten im Nebel. Ihr Ziel waren die Weißen Löwen.
An anderer Stelle des Schlachtfeldes setzte ein schwerer Streitwagen zum Angriff auf die Schwestern von Avelorn an. Doch der Wagen kam nicht weit genug heran. Sein Angriff scheiterte - und plötzlich lag seine Flanke offen.
Elendir Grimmborke, der ungebeugte Jäger von Chrace, erkannte die Gelegenheit. Noch bevor die Krieger der Chaosbarbaren ihre Linien vollständig formieren konnten, stürzten sich die Chracianischen Jäger auf den Streitwagen. Stahl traf Holz. Klingen blitzten im Nebel. Wenige Augenblicke später war von dem Streitwagen kaum mehr als zerbrochenes Holz und blutiges Eisen übrig.
Doch damit hatte das Töten gerade erst begonnen.
Während die Jäger zuschlugen, rückten die Barbaren und ihre Hunde auf dem anderen Teil des Schlachtfeldes vor. Die Hautwölfe setzten ihre Jagd fort, während die Weißen Löwen unter dem Einfluss der Magie des Hochelfenmagiers ihre Position veränderten.
Sie wichen zurück - nicht aus Furcht, sondern um den Abstand zu den Bestien zu wahren. Elendir Grimmborke schloss sich ihnen an. Der Edle von Chrace stand zwischen den Weißen Löwen, die Axt fest in den Händen. Sein Blick ruhte auf den Schatten zwischen den Bäumen. Er wusste, dass die Hautwölfe kommen würden.
Dann ertönte das erste tödliche Pfeifen von Bogensehnen. Die Schwestern von Avelorn legten an und vier Berserker fielen unter ihren verzauberten Pfeilen. Das erste Blut gehörte den Elfen.
Doch im Wald bewegte sich etwas Größeres. Die Brut kam näher.
Die Hautwölfe sprinteten hinter den sich zurückziehenden Elfen her. Doch nun erhoben sich die Berserker zum Angriff und sie stürmten auf die Chracianischen Jäger zu. Die Jäger wussten, dass sie diesen Kampf nicht gewinnen konnten und sie flohen.
Damit geschah jedoch genau das, was die Berserker nicht erwartet hatten: Ihre eigene Angriffslust trug sie weit vor und plötzlich standen sie unmittelbar vor den Weißen Löwen.
Und immer noch bewegte sich die Brut durch den Nebel., ein Zusammenprall schien unvermeidlich.
Der Chaoshexer versuchte währenddessen, die Reihen der Elfen mit den dunklen Winden der Magie zu erschüttern. Doch der Magier der Hochelfen erwies sich als ein Meister der arkanen Künste. Zauber wurden gebannt, bevor sie ihre volle Wirkung entfalten konnten.
Dann kam der Gegenschlag und die Weißen Löwen stürmten vor. Ihre Äxte krachten auf die Berserker und ihre Reihen fielen wie Grashalme durch die Hiebe der weißen Löwen. Zwei Krieger der Weißen Löwen fielen, doch dann brach die Kampfkraft der Berserker zusammen. Die Berserker flohen und die Weißen Löwen setzten ihnen nach, aber nicht so enthusiastisch wie die Berserker flohen.
Und auch die Brut blieb nicht verschont. Pfeile und Geschosse trafen das monströse Wesen und rissen tiefe Wunden in seinen Körper.
Am anderen Ende des Schlachtfeldes prallten die Chracianischen Jäger auf die Hautwölfe und der Hexer der Barbaren stellte sich dem Champion von Elendir in einem Zweikampf entgegen. Ein Treffer verwundete den Hexer. doch der Elf konnte seinerseits keinen entscheidenden Schlag setzen. Nach war nichts entschieden.
Dann forderte der Wald seinen Tribut bei den Elfen und die Chracianischen Jäger wurde von den Hautwölfen und der Brut gestellt. Es war kein Kampf, es war ein Abschlachten.
Die Waldläufer kämpften verzweifelt, doch gegen die gewaltigen Bestien hatten sie keine Chance. Einer nach dem anderen fiel zwischen den Bäumen. Ihre Schreie verhallten im Nebel.
Zur selben Zeit erkannte der Hochelfenmagier, dass die Berserker noch immer nicht vernichtet waren. Er löste sich aus den Reihen der Löwen und bewegte sich geschickt in deren Flanke. Seine Magie raste über das Schlachtfeld und versengte eine Einheit streunender Hunde.
Doch die Elfen wussten, dass sie Abstand gewinnen mussten und die Schwestern und ein zweiter Trupp Jäger zogen sich zurück. Die Hautwölfe waren zu schnell.
Wenn es sie denn an diesem Morgen überhaupt je gab, begannen sich die Schlachtreihen aufzulösen. Es gab keine klare Front mehr. Nur noch einzelne Kämpfe, Verfolgungen und verzweifelte Fluchten.
Und im Nebel wartete Morgun der Pestgeweihte zusammen mit dem Rest der Berserker auf seine Chance, den Wald mit dem Blut der Elfen zu tränken.
Und durch seine fehlende Erfahrung schien es, als würde Elendir dem Auserwählten Morgun genau diese Chance geben zu wollen. Die Verfolgung der Berserker hatte ihn und die Weißen Löwen zu weit weg von den unaufhaltsam wirkenden Hautwölfen geführt, die auf seine Schützen zustürmten. Und neben Ihnen walzte sich auch die Brut voran.
Sie wendeten und mit der Hilfe des Erzmagiers marschierten sie mit Dringlichkeit auf diese Gefahr zu. Noch bevor er seinem Fehler erkannte, erkannte Morgun seine Gelegenheit.
Morgun und der Rest der Berserker stürmten voran und fielen den Weißen Löwen in den Rücken. Die Krieger von Chrace waren plötzlich selbst die Gejagten. Währenddessen stürmten gleichzeitig die Brut und Hautwölfe auf die elfischen Schützen zu.
Die Reihen der Hochelfen schienen auseinanderzubrechen, doch noch blieben die Schwestern von Avelorn ruhig. Sie spannten ihre Bögen. Eine Salve. Die verzauberten Pfeile trafen die Brut und das Monster, bereits von den vorherigen Angriffen schwer verwundet, taumelte, dann viel es stumm zu Boden und sollte niemals wieder aufstehen.
Noch eine Salve. Aber keiner der Pfeile der Jäger konnte die dicke Haut der Wölfe durchdringen. Die Kreaturen des Chaos brüllten auf und stürzten sich auf die Jäger. Doch auch die Hautwölfe mussten auch ihren Preis zahlen. Einer ihrer Brüder wurde von den Chracianischen Jägern erschlagen, bevor die Jäger selbst von der Übermacht der Bestien vernichtet wurden.
Überall auf dem Schlachtfeld kämpften nun kleine Gruppen ums Überleben. Der neblige Wald wurde zu einem Meer aus Blut und Stahl.
Die Schlacht näherte sich ihrem Ende und die Hautwölfe und der Hexer sammelten ihre Kräfte und stürmten auf die Schwestern von Avelorn zu. Elendirs Schützen hatten keine Möglichkeit mehr, dem Nahkampf auszuweichen.
Doch auf der anderen Seite des Schlachtfeldes hatte Morgun eine wichtige Entscheidung zu treffen. Der Rest der Berserker und Morgun der Pestgeweihte blickten auf die Weißen Löwen und er traf eine Entscheidung.
Ein Rückzug hätte ihnen nichts gebracht und der Erzmagier der Elfen bereitet sich schon darauf vor, sie in Flammen einzuhüllen. Morgun hob seine Waffe. Er wusste, was zu tun war. „Vorwärts.“ Es war ein Angriff aus Verzweiflung. Aber auch aus Stolz und für den Ruhm.
Elendir Grimmborke trat ihnen mit den verbliebenen Löwen entgegen. Der Jäger von Chrace hatte den Tod bereits oft gesehen. Seine Familie war gefallen. Seine Heimat war zerstört worden. Er hatte jahrelang in den Wäldern gelebt und gelernt, dass der Tod nicht gefürchtet, sondern bezwungen werden musste.
Nun stand er Morgun gegenüber. Axt gegen Schwert. Elf gegen Chaos. Jäger gegen Pestgeweihten. Die beiden stürzten aufeinander, während ringsum die verbliebenen Krieger aufeinander einschlugen und für die beiden zu Schatten verschwammen.
Zwar fielen der Häuptling und fast alle Berserker, aber auch weiße Löwen und keiner der beiden großen Krieger konnte den Kampf für sich entscheiden.
Um Elendir und seine weißen Löwen Zeit zu erkaufen, stürmte die letzte Einheit Jäger auf die Hautwölfe und gerieten in einen Fleischwolf, der sie das Leben kostete
Zur gleichen Zeit kämpften die letzten Berserker gegen die stolzen weißen Löwen. Im Zentrum des Kampfes standen erneut zwei Gestalten. Elendir Grimmborke. Morgun der Pestgeweihte. Stahl traf Stahl. Blut rann über ihre Rüstungen. Beide wurden verwundet. Doch Elendir stand noch. Morgun schwankte. Der Elf holte aus. Ein letzter Hieb in einem langen Tanz. Morgun der Pestgeweihte fiel. Sein Körper schlug auf den blutgetränkten Boden und mit ihm auch der letzte Berserker.
Das Ende der Schlacht begann, als die Hautwölfe und der Hexer auf die verbliebenen Weißen Löwen und Elendir zu stürmten. Der Aufprall war brutal. Klauen rissen Rüstungen auf. Äxte krachten auf Knochen. Die Reihen der Weißen Löwen wurden auseinandergerissen und etwa die Hälfte der verbliebenen Löwen fiel unter den Hieben der Bestien.
Doch auch die Krieger des Chaos zahlten einen hohen Preis. In der letzten Herausforderung der Schlacht wurden sowohl der Hexer als auch Elendir verletzt, aber Elendir beendete mit einem mächtigen Hieb das Leben des Hexer und seine Magie verstummte endgültig auf dem blutgetränkten Schlachtfeld.
Als sich der Nebel langsam lichtete, war von den einst mächtigen Streitmächten kaum noch etwas übrig. Drei Hautwölfe standen noch zwischen den Bäumen. Ihnen gegenüber hielten Elendir Grimmborke und der Champion der Weißen Löwen die Stellung. Der Hochelfenmagier beobachtete das Schlachtfeld aus sicherer Entfernung.
Um ihn herum lagen die Gefallenen. Elfen. Berserker. Bestien. Monster. Die Schlacht war gewonnen. Doch es war kein Sieg, über den man leichtfertig jubeln konnte. Elendir Grimmborke blickte über das Schlachtfeld. Der Jäger wusste, dass dieser Sieg nicht nur auf den Klingen der Weißen Löwen errungen worden war. Er war mit Blut bezahlt worden. Mit dem Blut seiner Brüder und Schwestern. Aber auch viel Blut seiner Feinde war geflossen.
Die Chronisten würden diese Schlacht eines Tages niederschreiben. Die Elfen würden von den Weißen Löwen erzählen, die sich trotz aller Verluste nicht beugten. Die Barbaren würden von ihren Hautwölfen erzählen, die durch den Wald jagten und die Linien der Elfen zerfetzten.
Und vielleicht würden sie auch von Elendir Grimmborke erzählen. Dem Jäger, der Morgun den Pestgeweihte im Kampf bezwang.
Doch zwischen den Bäumen des Waldes würde man sich an etwas anderes erinnern. An das Heulen der Hautwölfe. An das Pfeifen der Pfeile der Schwestern von Avelorn. An die Äxte von Chrace. Und an das viele Blut, das die Böden des Waldes tränkte.
Dies war nicht einfach eine Schlacht gewesen. Es war das erste Kapitel einer Fehde gewesen, deren Ende noch lange nicht geschrieben war. Die Wölfe hatten gejagt. Der Jäger hatte gewartet. Und am Ende hatte Chrace seinen Preis gefordert.