Sechs Felder. Sechs Züge. Kein Platz zum Ausweichen.
Es war eine ungewöhnliche Schlacht, die sich an jenem verhängnisvollen Tag zwischen den Ogern des Migoi Kang und der Eisernen Horde unter Kriegshäuptling Skalda Schwarzfang entspann.
Das Schlachtfeld war in sechs Felder geteilt, die von den Kontrahenten abwechselnd gewählt und besetzt wurden. Was folgte, war keine vorsichtige Schlacht der Manöver und fein abgestimmten Formationen. Die Krieger beider Seiten schienen vielmehr entschlossen, die Angelegenheit möglichst schnell und möglichst persönlich zu klären.
Wo immer es möglich war, stellten sich die Einheiten beinahe direkt gegenüber auf.
Von Zurückhaltung konnte keine Rede sein.
Den ersten Schlag führten die Seewölfe.
Da Migoi Kang keinen Champion aufbieten konnte, blieb die Herausforderung ohne Gegenwehr – und die Seewölfe errangen damit den ersten Zug. Kaum war das Signal verklungen, stürzten sich die Armeen aufeinander.
An der Westflanke führte der Hexer Gallrauch Seuchenbrand seine mutierenden Hautwölfe ohne Umschweife in die Reihen der Yetis. Als wäre das noch nicht genug, brach gleichzeitig eine stinkende Riesenchaosbrut des Nurgle in die Flanke der Oger ein.
An anderen Stellen des Schlachtfeldes versuchten die Oger vorzurücken, doch wilde Meuten von Chaoshunden stellten sich ihnen entgegen. Die bellenden Bestien waren vielleicht keine Gegner, die man fürchten musste – aber sie waren verdammt gut darin, den Vormarsch aufzuhalten.
Bei den Yetis hingegen wurde nicht gebremst.
Dort wurde gemetzelt.
Als der erste Zug endete, stand kein einziger Yeti mehr auf dem Feld. Auch der Auserwählte der Oger hatte derartige Verletzungen davongetragen, dass er gezwungen war, im kommenden Zug seine Wunden zu lecken.
Der Sieg hatte jedoch auch für die Horde seinen Preis. Hautwölfe und Chaosbrut standen sich gegenseitig im Weg und verhinderten eine saubere Formation. Der Angriff war erfolgreich gewesen – aber die Bestien hatten sich dabei beinahe selbst behindert.
Unterdessen beseitigten die Oger die lästigen Chaoshunde.
Eine kleine Einheit Oger wagte sich sogar bis an den Waldrand vor und stellte dort Kriegshäuptling Skalda Schwarzfang. Skalda brüllte ihren Kriegern aus dem Wald Befehle entgegen, während die Oger versuchten, sie niederzuringen.
Skalda verlor einen Lebenspunkt.
Doch die Oger verzichteten auf die Verfolgung, zogen sich zurück und formierten sich neu.
An der Ostfront war die Lage nicht minder blutig. Dort metzelten sich die Kampfhunde der Oger mit Berserkern und Barbarenkavallerie nieder.
Die Schlacht hatte kaum begonnen – und bereits war das Feld mit Blut bedeckt.
Die Chaosbrut und die Hautwölfe setzten ihren Vormarsch fort und stellten die nächste Einheit Oger.
Doch während die Bestien im Zentrum zuschlugen, erschien plötzlich Kriegshäuptling Skalda im Rücken der Oger.
Ein Angriff, mit dem die Oger nicht gerechnet hatten.
Skalda warf sich mitten unter ihre Feinde.
Für einen Augenblick schien es, als würde die Kriegshäuptlingin fallen. Die Oger gingen bereits davon aus, ihren Gegner niedergerungen zu haben.
Doch sie irrten sich.
Was wie eine Niederlage aussah, war in Wahrheit eine heldenhafte Flucht.
Skalda entzog sich dem Zugriff der Oger und gab ihren eigenen Kriegern damit genau das, was sie brauchten: eine Ablenkung.
Während die Oger noch versuchten, die Situation zu begreifen, schlugen Skaldas Truppen zu.
Die Einheit wurde beinahe vollständig ausgelöscht.
Nur einer überlebte.
Unterdessen setzte sich an der anderen Front der unaufhaltsame Vormarsch des Oger-Elitetrupps fort. Der von seinem Tyrannen angeführte Todesstern der Elite-Oger nahm Fahrt auf, prallte in die nächste Einheit Berserker und zerschmetterte sie.
Nun richteten sich die Blicke des Tyrannen auf die Hautwölfe.
An der Ostfront schlugen die Kampfhunde der Oger die barbarische Reiterei in die Flucht und setzten ihr nach.
Die Hunde waren dicht auf den Fersen.
Doch sie konnten ihre Beute nicht einholen.
Der einzelne fliehende Oger hatte nicht lange etwas von seiner Freiheit.
Die Chaosbrut nahm die Verfolgung auf.
Sie holte ihn ein.
Und zeigte ihm, wer hier den großen Schlund hatte.
Damit war auch dieser kleine Hoffnungsschimmer der Oger endgültig ausgelöscht.
an der Westfront hingegen formierten sich die Hautwölfe neu. Sie sammelten sich, schlossen ihre Reihen und machten sich kampfbereit.
Ihnen gegenüber rückte der Oger-Elitetrupp langsam, aber unaufhaltsam vor.
Es war nur noch eine Frage der Zeit.
Während Tyrann und Hautwölfe einander immer näher kamen, begann sich das Blatt an der Ostfront zu wenden.
Die barbarische Reiterei hatte sich gesammelt.
Die Kampfhunde der Oger sahen ihre Gelegenheit und stürzten sich erneut auf die Reiter.
Doch diesmal verließ sie das Glück vollständig.
Was zuvor noch wie eine sichere Jagd ausgesehen hatte, verwandelte sich in eine Katastrophe.
Die verbliebenen Barbaren schlugen zurück.
Die Hunde wurden in die Flucht geschlagen – und diesmal gab es kein Entkommen.
Die Reiter setzten nach und ritten die Bestien nieder.
An der Ostfront hatte der Jäger seine Rolle mit einem Mal mit der des Gejagten getauscht.
Dann trafen im Zentrum die Oger und die Hautwölfe aufeinander.
Das Gemetzel begann.
Die Hautwölfe bewiesen, weshalb man sie inzwischen wohl besser Eisenhautwölfe nennen sollte. Einer nach dem anderen fiel, doch die Oger töten zuwenige und zu langsam.
Immer wieder prallten die Oger gegen ihre Reihen.
Immer wieder wurden die Hautwölfe zurückgedrängt.
Doch sie hielten stand.
Blut, Fell und Stahl vermischten sich auf dem Schlachtfeld. Die Masse der Oger schob sich unerbittlich vorwärts, während die Hautwölfe jeden Schritt mit ihrem Leben bezahlten.
Doch noch standen sie.
Noch war die Schlacht nicht entschieden.
Der sechste und letzte Zug begann.
Jetzt musste sich zeigen, welche Seite den längeren Atem hatte.
Die Chaosbrut sollte den entscheidenden Schlag führen und den Ogern in den Rücken fallen.
Doch ausgerechnet im entscheidenden Augenblick versagte die Bestie.
Sie schaffte es nicht, die notwendige Position zu erreichen.
Damit blieb den Ogern der vernichtende Schlag in den Rücken erspart.
Schließlich fiel auch der Jarl der Hautwölfe.
Nur einer blieb noch stehen:
Gallrauch Seuchenbrand.
Der Hexer hielt sich zwischen den Überresten seiner Krieger und stellte sich dem Ogerchampion entgegen.
Ein Duell hatte begonnen.
Und dauerte.
Und dauerte.
Und dauerte.
Was vermutlich als epischer Zweikampf in die Geschichte eingehen sollte, entwickelte sich zu einem Duell, in dem rein gar nichts passierte.
Kein entscheidender Treffer.
Kein heroischer Todesstoß.
Keine dramatische Wendung.
Nur zwei Kämpfer, die sich gegenseitig anstarrten und offenbar beschlossen hatten, dass es heute auch ohne weiteres Blutvergießen gehen musste.
Als schließlich das Ende des sechsten Zuges erreicht war, standen sich die letzten Kämpfer gegenüber.
Auf der einen Seite Gallrauch Seuchenbrand, seine verbliebenen Reiter und seine Nurgle-Brut.
Auf der anderen Seite der Oger-Tyrann mit seinem Elite-Todesstern.
Beide Seiten hatten Verluste erlitten.
Schwere Verluste.
Doch keine hatte den Gegner vernichten können.
Das Schlachtfeld war übersät mit den Gefallenen beider Armeen. Yetis, Oger, Berserker, Barbaren, Hunde und Hautwölfe hatten ihr Leben gelassen. Selbst die mächtigsten Krieger waren verwundet und erschöpft.
Der Großteil der Chaoshorde lag tot im Staub, während die Elite der Oger sich behauptet hatte und sich so letztlich den Sieg sicherte. Und doch gingen beide Seiten zufrieden aus der Schlacht.
Denn eines konnte niemand bestreiten:
Dieser Kampf war ruhmreich gewesen.
Es war keine Schlacht vorsichtiger Generäle.
Es war eine Schlacht, in der man sich auf sechs Felder stellte und anschließend sechs Züge lang versuchte, den Gegner totzuschlagen.
Und vielleicht war genau das die Art von Schlacht, für die die Alte Welt geschaffen worden war.
Blut für die Horde.
Fleisch für den Großen Schlund.
Ruhm für Skalda Schwarzfang und Migoi Kang.
Und für die Gefallenen?
Nun – die konnten zumindest behaupten, dass sie dabei waren, als es richtig interessant wurde.